Was muss mit? - Die Reiseapotheke

von Vera Hohleiter (Kommentare: 0)

tl_files/images/Apotheke1.JPGAuf Reisen werde ich oft krank - und mit diesem Problem bin ich sicher nicht alleine. Ungewohntes Essen, ungewohntes Klima, ungewohnte Keime, große Temperaturunterschiede zwischen der Außentemperatur und klimatisierten Räumen, Insektenstiche, Parasitenbefall, ... - die Krankheitsauslöser können auf Reisen vielfältig sein. Um sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten, ist eine Reiseapotheke unerlässlich. Doch wie stellt man eine gut sortierte Reiseapotheke zusammen? Der Apotheker meines Vertrauens war bereit, mir einige Fragen zu beantworten.

Was gehört in jede Reiseapotheke?

Die Zusammensetzung einer Reiseapotheke gehorcht ein paar einfachen Regeln. Sie ist primär abhängig vom Reiseziel, der Reisezeit, von der Person des Reisenden und von dessen Risikoprofil. Etuis mit fertig gepackten Reiseapotheken, die von der Industrie angeboten werden, sind völliger Unsinn und höchstens für einen Urlaub am Hotelpool geeignet.

Fraglos das wichtigste Element einer Reiseapotheke sind eventuell einzunehmende Dauermedikamente. Bei Fernreisen ist es hilfreich, vom Hausarzt eine Bestätigung über die Notwendigkeit der Dauertherapie zu erbitten. Dies gilt ganz besonders bei stark wirkenden Schmerzmitteln, die dem Betäubungsmittelrecht unterstehen.

Für eine eventuelle Wundversorgung unerlässlich sind eine Schere, eine lange scharf geschliffene Splitterpinzette aus Edelstahl, um auch flache Schnitte führen zu können, ein Dreiecktuch, um bei größeren Verletzungen Gefäße kurzfristig abbinden zu können, sterile Kompressen, elastische Binden, Wunddesinfektionsmittel, sowie ein Pflaster- und Tapesortiment.tl_files/images/Apotheke2.JPG

Wichtig ist Aspirin als Schmerz- und Fiebermittel. Der Geheimtipp eines alten Apothekers: Eine Aspirintablette mit Speichel angefeuchtet und auf einen Insektenstich aufgedrückt ist wirksamer als irgendwelche Insektengele. Bei Unverträglichkeit von Aspirin kann man beispielsweise auf Ibuprofen ausweichen.

Ein häufig auftretendes Problem, nicht nur bei Fernreisen, sind Verdauungsstörungen, die sich am häufigsten als Durchfall äußern. Wenn als Ursache Klima- und Kostumstellung im Vordergrund stehen, ist der Wirkstoff Loperamid angezeigt. Bei keimbedingten Durchfällen greift man besser zu Tannacomp Tabletten. Das allerwichtigste zur Verhütung von Durchfällen ist der alte Grundsatz der Engländer in ihren Kolonien: Boil it, peel it or forget it.

Wie unterscheidet sich der Inhalt der Reiseapotheke je nach Reiseziel?

Für Reisen unter extremen Bedingungen halte ich ein Gespräch mit dem Hausarzt für sinnvoll. Er wird sich dem Wunsch nach Verordnung eines Breitbandantibiotikums nicht verschließen und detaillierte Anweisungen für unterschiedliche Indikationen erteilen.

Für einen Krankenhausaufenthalt in wenig entwickelten Gegenden würde ich unbedingt einen Vorrat an Einmalspritzen und -kanülen einpacken, um Infektionen mit verunreinigtem Material zu vermeiden. Diese Artikel könnten natürlich bei einer Zollkontrolle erklärungsbedürftig werden.tl_files/images/Apotheke3.JPG

Als wichtige Komponente sehe ich bei Reisen zu sonnigen Jahreszeiten einen sehr guten Sonnenschutz an. Für Reisen in arktische oder subarktische Gebiete ist eine ausreichende Menge einer überfetteten Salbe wichtig, um freiliegende Gesichtshaut zu schützen. Für alle Reisen in wenig erschlossene Gebiete ist die Desinfektion von Trink- und Waschwasser unerlässlich. Es gibt Produkte, die sowohl Silber- als auch Chlorionen enthalten, den Geschmack des Wassers relativ wenig beeinflussen und eine lang anhaltende Wirkung zeigen.

Für die Reise in warmen Zonen empfiehlt sich ein Schutz gegen Bisse oder Stiche von Insekten. Denkbar sind Moskitonetze, einfacher der Einsatz sogenannter Repellents - Flüssigkeiten, die auf unbedeckte Hautareale aufgetragen werden. Für den Fall der Fälle würde ich ein leichtes Cortisonpräparat in Milchform empfehlen, das Juckreiz und Schwellung nach einem Stich lindert und auch bei Verbrennungen hilfreich ist.

Wann sollte man anfangen, seine Reiseapotheke zusammenzustellen?

Der beste Zeitpunkt, sich um eine Reiseapotheke zu kümmern, ist meiner Meinung nach ein Vierteljahr vor Reiseantritt. Es bleibt somit genügend Zeit, sich um eventuell fällige Impfungen zu kümmern. Auch zur Diskussion von unterschiedlichen Prophylaxemaßnahmen, zum Beispiel gegen Malaria, bleibt dadurch reichlich Zeit.
 
Wie oder wo findet man Informationen über Impfbestimmungen für das jeweilige Reiseland oder Hinweise über eventuelle gesundheitliche Gefährdungen?
 
Eine Beratung zur Zusammenstellung einer Reiseapotheke und zu eventuell sinnvollen oder notwendigen Impfungen und Prophylaxemaßnahmen ist in jeder Apotheke eine Selbstverständlichkeit. Meist werden Impfpläne erstellt und ausgedruckt, die Reiseziel, Reisezeit, Impftermine, Risiken und wichtige Adressen aufführen. Es macht Sinn, für diese ausführliche Beratung in der Apotheke einen Termin zu vereinbaren.
 

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